Filmreview: BenX
Vor einiger Zeit habe ich den Film BenX (2007, Belgien, Niederlande) gesehen. Ist mir leider nicht mehr so superfrisch in Erinnerung, aber ich versuchs mal trotzdem.
Bekannt oder beworben wurde der Film in erster Linie um den Umstand, dass es um einen Jugendlichen geht, der sich in einem fiktiven Massiv-Multiplayer Rollenspiel verkriecht. Viele gestalterische Elemente beziehen sich durchgehend darauf, etwa das sich der Protagonist wie ein Spielcharakter in seiner Umwelt orientiert.
Da ging bei mir erstmal der interne Alarm los, ob das nicht nur gängige Klischees rund um Nerds und Killerspiele bedienen soll. Man denke allein an die ganzen Hackerfilme, und wie herzlich wenig die mit der Realität zu tun haben. Oder ist es nur ein rein eskapistischer Film für die Evercrack*-Zielgruppe (* verbreitete Bezeichnung für den süchtig machenden Effekt von Rollenspielen, speziell Everquest)?
Weder noch. Im Kern hat es weder mit Rollenspielern noch den Mediengewohnheiten Jugendlicher zu tun. Thema sind die sozialen Probleme eines schwer am Asperger Syndrom / Autismus leidenden jungen Mannes, der mit seiner eigenen innerlichen Isolation und mit Mobbing in seinem direkten schulischen Umfeld zu kämpfen hat. Das im Film vorkommende Spiel “Archlord” (das anscheinend nicht fiktiv ist) dient mehr als Erzählmittel für die seelischen Innenschau des Protagonisten. Im weiteren Sinne ist es eine “coming of age” Geschichte.
So gesehen hat der Film wenig gemeinsam mit dem, was man aufgrund des Trailers oder aus Presseberichten erwartet. Das etwa in Besprechungen propagierte “Junge verliert sich in Onlinewelten” wird dem Film nicht gerecht. Entsprechende Erwartungen BenX könnte die niederländische Antwort auf Matrix & Co sein werden daher ziemlich enttäuscht, da es sich hier eindeutig um einen Problemfilm handelt, der Themen wie Außenseitertum und Suizidgefährdung thematisiert.
Ganz glücklich war ich mit dem Film aber nachher auch nicht. Der Asperger / Autismus des Helden ist so stark ausgeprägt, das er sich gegenüber anderen Personen oft nicht äußern, geschweige denn wehren kann. Ohne medizinischer Experte zu sein hielt ich die Darstellung der Krankheit aber streckenweise für überzogen, das Gesamtpaket war für mich nicht durchwegs überzeugend. Der überraschende Schluß entschädigt dafür weitgehend wieder.
Wer BenX anschauen will sollte sich also bewusst sein, dass es sich hier nicht um Popcornkino, oder gar um einen Cyberpunkfilm im weitesten Sinne handelt. Andererseits wird man weitgehend von irgendwelchen gängigen Klischees oder falschen Hollywood-Fiktionen verschont.
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In vielen IMDB-Kommentaren von direkt oder indirekt Betroffenen wird die Darstellung des Asperger-Syndroms als treffend bezeichnet, auch wenn im Film ein schwerer Fall dargestellt wird. Es ist also hauptsächlich ein Film über eine gewisse Form des Autismus.
Eigentlich ist es eher ein Film über einen Außenseiter *g* Ich fand den auch ziemlich gut, obwohl er genau gar nicht das war, was ich erwartet hatte… vielleicht auch genau deswegen. Keine Ahnung. Auf jeden Fall ist er stellenweise ganz schön bedrückend.