Die Matrix des William Gibson
(Ich stehe nun vor einer nicht unwichtigen Entscheidung: Setzte ich mich an diesem dunstigen Sonntagmittag an das Design der CPC, oder haue ich das kleine Gibson Review raus? Den Button “Reviews”hätte ich schon fertig,…nur noch kein WordPress-Template dazu…;)
Also dann: Erstmal das Review. Damit die wehrten Leser dieses später auch wieder schnell auffinden können,wird nacher auch noch etwas am Design geschraubt!)
- Die Matrix des William Gibson -

So langsam legt sich mein Flash wieder. Denn nichts anderes war die Lesung von W. Gibson im Kölner Gloria – Theater: Er hat den Mund aufgemacht—> ich war geflasht. Eigentlich war schon das “Auf die Bühne kommen” sehr flashig: Sichtlich vom Jetlag gerädert, ein x-beliebiges Shirt über die Jeans, in Sneakers, betrat William Gibson die Bühne. Es gab sogar einige Jauchzer, was Mr. Gibson kalt lies. Der Mann kennt keine Starallüren. Dafür aber “die Ärzte”. Der Blogeintrag dazu findet sich hier.
Schön, das der anwesende Kritiker dann auch mal nachhakte, woher denn die Faszination für die deutsche Band rühre: Woraufhin Gibson eine nicht wirklich adäquate Antwort geben konnte, daraufhin jedoch Überlegungen anstellte, in welcher “kulturellen Matrix” die Ärzte wohl hier in Deutschland angesiedelt sein mögen….Für mich persönlich gab es an diesem Abend zwei große Überraschung: Zum Einen war ich sehr angetan von der Tonierung, seiner Mimik und dem Südstaaten-Englisch, welches sehr gut zu verstehen war. In den Kommentaren beim Doktorsblog schreibt kioopi:
“Gibson hat genauso gelesen wie ich es mir vorstelle wenn ich seine Bücher lese.”
Dem habe ich nichts hinzuzufügen.
Zum anderen: Ich bin mir durchaus darüber im Klaren, dass Gibson einen sehr speziellen, diffizilen Humor besitzt, trotzdem war ich hin und weg von seiner “jetlaggigen – humoristischen” Ader; wie er beispielsweise ein wenig über seine “Rückkehr zum Science Fiction” (mit ca. 27 Jahren ) und andere Inspirationsquellen plauderte, dass war schon einmalig –> Autos die aussehen wie Raumgleiter und “Spaceships”, leere Postämter die mit Fiktion gefüllt werden möchten. Irre irre. Seine Zuneigung zu Verschwörungstheorien tat er auch kund; so hätten diese etwas “einfaches, simples, wonach sich doch heute manch einer sehnen mag” (sinngemäß)
Nebenbei erwähnt waren die gelesenen Text aus “Spooky Country / Quellcode” absolut erstklassig
Fesselnd, informativ, illusionierend, paranoid, detailliert, futuristisch, einfach prima. Der Mix aus Drogendealern, Künstlern, Spionen, die augenscheinlich alle einem bestimmten Seecontainer hinterherjagen, klang schon sehr nach mitreißenden Charakteren. (Den Beruf des Literarturkritikers habe ich hiermit nun endgültig verfehlt, denke ich…;))
Simon Eckert war für die deutschen Parts zuständig, und war für meinen Geschmack etwas zu sehr Schauspieler als Vorleser. Was daran liegen mag, dass er ein solcher ist. (Schauspiel Köln) Ich (der das Buch noch nicht vorher angerührt hatte, weil ichs von “ihm, dem William” vorgelesen bekommen wollte…) hatte trotzdem den Eindruck das die Übersetzung des Textes sehr gelungen ist. Der Eindruck das W.Gibson einem “Oberflächen-Fetischismus” verfallen ist, hat sich für mich erneut bestätigt: Niemand beschreibt “Muster/Oberflächen/visuelle Reize” so wunderbar wie er. Das da die deutsche Übersetzung etwas ins stocken gerät, ist wohl klar…
Der Abend war einfach zur kurz; er hätte mir das ganze Buch vorlesen können, ich hätt `mich keinen Millimeter bewegt…Natürlich konnte ich es mir dann auch nicht nehmen lassen, mir meinen “Neuromancer” von ihm signieren zu lassen!
Die Schultertasche umgehängt, leicht buckelig, ein schräges Lächeln im Gesicht, sitzt er dort; bereit aufzustehen, sollte es plötzlich nötig sein, aus dem Cyberspace zurück in die andere Welt zu switchen. Denn “wir bewegen uns heute ständig im Cyberspace, sehen nur ab und an mal nach, ob es die richtige Welt noch gibt” (Sinngemäß)
In meinen Augen einer der großartigsten Schriftsteller der Zeitgeschichte, ein Visionär und Freak! Ich spare mir an dieser Stelle mal ein Zitat von ihm; er schreibt so viel was man ständig Mantra-mäßig vor sich hinblubbern könnte. Gibson noch mal in Deutschland? Ich bin da!
Ich mag den Mann. Und das was er schreibt. Jetzt noch etwas mehr.
Ich hoffe sehr, sollte sich ein ähnliche Gelegenheit bieten, dass die CPC vorher mal in South-Chiba einige Uppers zusammen einwirft, diese mit ein wenig Gerstensaft und Wasabi runterspült, …und in das Erlebnis “Cyberpunk-Lesung” zusammen eintauchen wird!
(teilweise picked up-> Doktorsblog.de)
Portrait-Bild, W.Gibson by Fred Armitage CC-Lizens, Flickr
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