14 SciFi-Punks…

Alles hat in den 80er Jahren mit Gibsons Neuromancer angefangen, das war die Geburtsstunde des ersten SciFi-Punk Genres, dem Cyberpunk.

Seit spätestens Ende der 90er Jahre wurde es dann zur Mode, neuen Genres oder Subgenres das Wörtchen “Punk” anzuhängen. Nun hat der Sci-Fi-Wire einen Guide für  11 bis jetzt als Punk klassifizierten Genres geschrieben.

Ich war jetzt einfach mal so frei und habe ihn für Euch ins Deutsche übersetzt.

Cyberpunk:
Das klassische Punk Genre, der Name geht bekanntermaßen auf eine Kurzgeschichte von Bruce Bethge zurück, die jedoch nicht die klassischen Cyberpunk-Elemente beinhaltete und wurde direkt zur Beschreibung von Dr. W. Gibsons Neuromancer benutzt. Der Fokus des Cyberpunk liegt eindeutig auf Computern, Hackern und dreckigen Dystopien in einer nahen Zukunft.
Beispiel für dieses Genre: William Gibsons “Sprawl-Trilogie“.


Steampunk:
Während Cyberpunk futuristisch ist und den Fokus auf Hightech hat, ist Steampunk eher rückwärtsgewandt und setzt den Fokus auf veraltete Technologien wie etwa Dampfmaschinen. Steampunk hat im Allgemeinen einen viktorianischen Touch.
Beispiel für dieses Genre: der Film “Wild Wild West

Dieselpunk:
Ist ähnlich zu sehen wie der Steampunk, nur zeitlich in die Zeit zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg anzusiedeln.
Beipiele für dieses Genre: “Sky Captain and the World of Tomorrow“, die Spielreihe “Crimson Sky

Biopunk:
Ein weiterer Abkömmling des Cyberpunk ist der Biopunk. Hier wird gerne mit der Manipulation des Erbguts experimentiert, was zu recht düsteren Zukunftsvisionen führt.
Beispiel für das Genre: Peter Watt’s “Starfish

Clockpunk:
ist wiederum ein Abkömmling des Steampunk, hier ist die Technologie einen Schritt vor dem  Steampunk, hat also auch einen sehr anachronistischen Touch. Kurz zusammengefasst kann man es mit Leonardo Da Vinci meets Cyberpunk beshreiben.
Beispiel für dieses Genre: “Mainspring” von Jay Lake

Mythpunk:
schafft den Brückenschlag zwischen einem post-modernen Schreibstil und Folklore.
Beispiel für dieses Genre: Catherynne M. Valentes “The Labyrinth

Elfpunk:
Hier werden Elfen in die Städte der Gegenwart, bzw. der Nahen Zukunft verfrachtet.
Beispiele für das Genre: Holly Blacks in “Tithe: A Modern Faerie Tale”, Michael Swanwick’s “The Iron Dragon’s Daughter” und Gregory Maguires “Wicked: The Life and Times of the Wicked Witch of the West”.

Splatterpunk:
Ist die Antwort auf  “weiche” Horrorgeschichten und zeichnet sich durch extreme Darstellungen von Gewalt aus. In den 1990ern Jahren stellte Paul M. Sammon zwei Splatterpunk Anthologien zusammen.  Der Terminus Splatterpunk ist aber mittlerweile aus der Mode geraten.

Nanopunk:
Auch ein direkter Nachkomme des Cyberpunk. doch ist hier die Nanotechnologie kaum noch von Magie zu trennen.
Beispiele für dieses Genre: Neal Stephensons “Diamond Age

Greenpunk:
Wird gerne als techniknbewusste SciFi beschrieben, die einen Fokus auf  “Green-Tech“, wie Co²-freie Energiegewinnung, die Menschheit hat die Klimaveränderung meist mit leichtem Erfolg gemeistert.
Beispiel für das Genere: Bruce Sterling’s “Heavy Weather”.

Stitchpunk:
Der jüngste Neuankömmling in der Punkfamilie ist Stitchpunk, der Begriff geht direkt auf Shane Acker’s “9″ zurück und findet Verwendung für Geschichten  gestrickte Helden in düsteren Welten. Dabei liegt das “Punk” eindeutig in der Ästhetik des Ganzen, mit einem recht düsteren Touch. Nach allem was ich bis jetzt von “9″ gelesen und  gehört habe sieht es zumindest für mich nach genau meinem Stoff aus.

Mannerpunk:

Hier tue ich mich ehrlich gesagt etwas mit der Übersetzung schwer, deshalb nur die englische Beschreibung:

A tongue-in-cheek term used to describe any comedy of manners with fantastic elements, like Ellen Kushner’s Swordspoint: A Melodrama of Manners or Tooth and Claw by Jo Walton. (Some critics also consider Mervyn Peake’s first two Gormenghast books to be the first mannerpunk novels.) Literary cousins to swashbuckling books like The Scarlet Pimpernel and the romantic comedies of Jane Austen, these tales study the social interactions between their characters, usually within a rigidly hierarchical social structure, but those characters may as easily be dragons, demons or faeries as human beings.

Einige von diesen Genres sind lediglich kleinliche Abgrenzungen von anderen und wie es scheint, ist es einfach Mode für Alles und Jeden den Anhang “Punk” zu benutzen, sobald nur ein bisschen Attitüde hinzukommt, aber auf alle Fälle interessant zu sehen, wofür der Cyberpunk zumindest namenstechnisch alles Pate stand und steht.

Update:

Dank GPSchnyder und dem Küperpunk haben wir noch eine 13. und 14.  Punk-Form entdeckt, wenn ihr noch solche Formen des Punks kennt, nur her mit den Beschreibungen…

Primalpunk:

Primalpunk ist die Bezeichnung eines recht neuen Genres. Es vereint das epische Drama aus Filmen wie DUNE: DER WÜSTENPLANET mit der steinzeitlichen Ästhetik eines CONAN: DER BARBAR zu einem endzeitlichen Überlebenskampf, der schließlich zu den Wurzeln der Evolution führt. Technologisch gesehen reichen einzelne Landstriche von Urzeitlich über unterentwickelt zu fast schon cyberpunkiger Technologie. Diese wird aber unter dem Deckmantel der Mystik zu etwas das im Empfinden der Menschen eher an magische Artefakte erinnert.

Beispiel für dieses Genre: Das Pen&Paper Rollenspiel Degenesis

Atompunk:

Atompunk beschreibt ein pre-digitale Zeitperiode. Es ist 50er Jahre Futurismus kombiniert mit  dem “Atomzeitalter” und dem “Weltraumzeitalter” und vorrangig Kommunismus und Kommunismusparanoia in den USA. Für Kommunisten wäre der Atompunk die perfekte Welt.

Soviet-Styling, untergrund Kino, Googie Architektur, Weltraum und Sputnik, Mondlandung, Superhelden Comics, Kunst und Rarioaktivität, derAufstieg des US Millitär und Industriekomplexes und der Fallout in Tschernobyl.

Stay Tuned

scal

Quellen:

SciFi-Wire: guide to sci-fi-punks

SciFi-Wire: just what is stitchpunk anyway

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scal

18 Responses to 󈫾 SciFi-Punks…”

  1. Hätt da noch PrimalPunk: http://www.degenesis.de/

    Und das hat seinen Namen, im Gegensatz zu manchem da oben wenigstens verdient. Ich mein: ElfPunk? WTF?

    Aber cooler Artikel, und SplatterPunk… so könnt ich eines meiner Drehbuchideen nennen für das ich bis dato noch keinen Namen hatte…

    George

  2. Geiler Artikel, Scal! Den darf ich rebloggen. Ja? Geil, ey. Feature! Dings! Credits! Geil!

  3. klar.. spread the word!

  4. Ich wär noch für Pseudopunk ;) Das ist Punk, der keiner ist. Ne, also ehrlich. Steampunk laß ich mir ja noch gefallen. Der Rest ist unnötige Hirnerweichung.

  5. Hey Ganta. Definier mal Punk. Das wird interessant. Von wegen PaeudoPunk und so.
    Ich definier ja Punk so: http://www.youtube.com/watch?v=-EHFTZwTesA

    Finde bis auf ein paar extreme da oben passt das schon mit den irgendwasPunk.

  6. Gute Frage. Also mit Punk verbinde ich in meinem Kopf das Bild von Leuten mit bunten, spitzen Haaren und dreckigen Straßen. Das diese in Gibsons Welt des Sprawl-Zyklus leben (können) zeigen ja schon die Buchcovers. Das ist auch okay für mich, weil soweit in beschreibender Weise zutreffend.

    Für die weiteren (Sub)Genres finde ich andere etablierte Bezeichungen allerdings näherliegender, etwa “post-apokalyptisch”, “Endzeit”, “SF-Fantasy” oder “Ökothriller”.

    Da muß ich an manche Fernsehzeitungen oder Sender denken, die manchmal äußerst fantasievoll Genres erfinden, um Sendungen zu beschreiben. “Dramödie” etwa, oder “Reality soap”. Von Scheinanglizismen wie “Showmaster” mal gar nicht zu sprechen.

    Begriffsbezeichnungen entwickeln ja machmal ein Eigenleben, das mit den Ursprüngen dann noch kaum was gemein hat. Beispiel: aus einem Bikini kann man ein Mono-, Tri- oder Tankini machen. Darüber kann ich mich köstlich amüsieren. Als ob die Endung “-kini” eine tiefergehende Bedeutung hätte also die Endung eines Eigennamens eines Inselatolls.

    Um beim Thema zu bleiben: mir scheint hier eine zu starke Verliebteit in den Begriff “Punk” hereinzuspielen. Kann man ruhig machen, ist mir persönlich aber zuviel Selbstzweck.

  7. Son Zufall, dass ich gerade für telepolis über “Atompunk” geschrieben habe:

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31129/1.html

  8. Also ich definiere Punk eher durch seine trotzige Haltung und die Life-fast-Die-Young-Attitüde, also als was schnelllebiges und subversives… es gibt da Sachen in den Definitionen oben die ich auch absolut unnötig finde, aber Steam-, Clock- und Dieselpunk fallen nicht darunter. Biopunk kann man meistens auch einfach noch unter Cyberpunk packen, da dieses Thema ja auch im CP selbst Thematisiert wird, wenn auch nicht der Hauptfokus darauf liegt…
    Und wie sieht es der Rest hier?

  9. Cyberpunk, Steampunk, Dieselpunk, Biopunk, Clockpunk, Nanopunk, Greenpunk, Primalpunk und das noch nicht vorhandene Atompunk sind für mich klar definierte Abkömmlinge der Cyberpunk bei denen das Cyber ersetzt wurde und die Hintergrundwelt sinnvoll angepasst wurde. Die machen Sinn. Stitchpunk ist nachvollziehbar, die Welt scheint ja auch passend zu sein.

    Die Anderen? Nun ja. Mach dein Ding, steh dazu. Ob die den Punk im Namen verdienen frag ich mich da genauso wie bei den Toten Hosen die ja Jamba verklagt haben weil die nicht genug Klingeltöne verkauft haben…

    George

  10. Ich find’s geil, das ihr das so auseinander bröslet! Mein Gehrin reicht gerade nur bis hier hin: “Die Wörter findet mein Rechenknecht im weltweiten Datennetz”.

    Dann bricht das Hirn auseinander.

  11. Ist dann die CPC nicht etwas zu brav für diesen subversiven Anspruch? ;)

  12. Die Definitionen stammen ja nicht von mir, scheinen aber im englischsprachigen Raum wohl recht verbreitet zu sein. Glaube nämlich nicht das der SciFi Wire extra Subgenres erfindet.
    Aber dieses ich-schaffe-mir-meine-eigene-Schublade-denken kennt man ja eh schon seit Jahren aus der Musik, da wird auch für jeden neuen Ton ein neues Subgenre aufgemacht.

  13. Ey, mäkelt nicht über Elfpunk! “The Iron Dragon’s Daughter” ist mehr Punk im eigentlichen Sinne als “Matrix” und “Dark City” zusammen.

    Aber es stimmt schon: Was heutzutage so alles “Punk” im Titel führt, ist meist nur ganz normale SF oder Fantasy mit einem leicht verschobenen Setting. Zum Punk fehlt da meiner Meinung nach die street credibility, also die anarchistische Haltung in Erzählweise und Ausrüstung.

    Außerdem sind manche der Definitionen einfach zu kurz gegriffen.
    Beispiel Steamounk: Die meisten sogenannten Steampunk-Stories sind gar keine, weil sie nicht die Punk-Attitude haben. Wenn ich einfach einen Sherlock-Holmes/Captain-Nemo-Crossover schreibe, wird das genausowenig automatisch Steampunk wie sich “20000 Meilen unter dem Meer” plötzlich rückwirkend in Steampunk verwandelt. Das Ergebnis ist schlicht Retro-SF, die punk sein kann, oder auch auch nicht.
    Beispiel Clockpunk: Es ist kein Derivat aus Steamounk, weil die zentrale Technologie hier das Uhrwerk ist, das ja bekanntlich wesentlich älter als die Dampfmaschine ist. Daher gibt es Clockpunk-Geschichten, die eher prä-viktorianisch, also z.B. barock angehaucht sind.

    Sub-Genres, speziell aber Cyberpunk und seine Enkel, definieren sich nicht allein über Settings (das ist den “großen” Schubladen SF und Fantasy vorbehalten), sondern auch über Stil und Leitmotive.

    Genug gepredigt. Habt Spaß!

  14. Ich finds geil, wenn Genres differenzierter werden :D Und lustig, wenn sie so Stilblüten wie Elfpunk oder Mannerpunk treiben xD
    Gefühlsmäßig hatte ich Sky Captain and the World of Tomorrow mehr als Steampunk wahrgenommen. Aber dafür gabs dann tatsächlich doch zu wenig Dampf und Dieselpunk passt besser.

    Jo, Scal, bei Metal finde ich das besonders krass^^

    Tja, Ganta, ob wir nicht subversiv genug für diesen Anspruch sind? Wir sind hier, weil wir uns von Subversivität unterhalten fühlen – und manch einer ist vielleicht in seiner Freizeit subversiv ;)

  15. Beim Clockworker sind noch 3 etwas ausführlichere Definitionen zu Steampunk, Dieselpunk und Clockpunk zu finden.

    http://clockworker.de/cw/?p=29

  16. Ich hab’ ‘mal versucht, ein bißchen Ordnung in die vielen -punks zu bringen:
    http://xirdalium.net/2011/11/10/punk-galore/

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