Johnny Mnemonic / Vernetzt – Rezension zum Film

Johnny Mnemonic ist ein Bote für Daten, meist illegale Daten, gestohlen aus dem weltweiten Informationsnetz der Companys, mal mehr, mal weniger brisant in ihrem Inhalt. Dabei transportiert er diese Daten nicht auf einem Datenträger, sondern in einem Speicher, der in seinem Gehirn eingesetzt ist. Sind die Daten erst einmal in seinem Kopf, hat er keinen Zugriff drauf, denn sie werden vom Kunden mit einem Passwort verschlüsselt.

Der Preis für diesen Job ist der Verlust seiner Kindheits-Erinnerungen, die irgendwo als Download rumliegen und Johnnys Wunsch, seine Vergangenheit wieder zu bekommen, soll nach dem letzten Deal Wirklichkeit werden.
Für dieses Geschäft muß er an die Grenzen seiner Speicherkapazität und darüber hinaus gehen. Mit Hilfe eines Dopplers, vergrößert er seine Kapazität, stellt aber bei der Datenübergabe fest, dass die Datenmenge noch größer ist, als erwartet. Trotzdem akzeptiert er den Deal, wissend, dass die Datenmenge in kürzester Zeit sein Gehirn zerstören kann.
Die Daten sind aus den Firmenrechnern einer Pharmafirma geklaut und enthalten die Formel für ein Medikament, das eine ausgebrochene Seuche, die seit einiger Zeit kursiert, Einhalt gebieten kann.
Neben dem Opfer des Diebstahls, dem Konzern Pharmakom, interessieren sich auch die Yakuza, eine Organisation mit mafiaähnlicher Struktur, für diese Daten. Die Jagd auf Johnny beginnt und er selbst hat noch 48 Stunden, um die Informationen aus seinem Gehirn zu bekommen. Leider wurde der Schlüsselcode für die Daten zerstört…

Der Film Vernetzt – Johnny Mnemonic basiert auf eine Kurzgeschichte von William Gibson aus dem Jahre 1981, die wiederum als Sequel zu seinem Roman Neuromancer gilt. Einige Figuren, wie die mit Implantaten aufgerüstete Molly, werden hier erstmals vorgestellt und auch das Szenario in der Bar erinnert stark an das "Gentlemen´s Loser" in Neuromancer. Bis dahin hält sich auch Regisseur Robert Longo an die Vorgaben Gibsons und sorgt für eine hohen Wiedererkennungswert zwischen der Geschichte und der filmischen Handlung. Da aber die Story für ein abendfüllendes Kinoformat etwas dünn gewesen wäre, mussten neue Passagen hinzugeführt werden.
Da ist zum einen die autonome Zone der Oakland Bay Bridge aus Gibsons Roman Virtuelles Licht, den er 1993 veröffentlicht hat. Dieses Element fügt sich geschmeidig in die Story ein und die zusätzliche Handlungsumgebung wird nahtlos zu einer ins Konzept passenden Location. Ganz anders bei dem zweiten Element, dass in die Filmstory eingewebt wird. Eine Netz-Kirche, deren Oberhaupt als Miet-Killer durch die Straßen zieht. Das an dieser Stelle Dolph Lundgren, der seine „Missionarstätigkeit“ nicht wirklich überzeugend rüber bringen kann, in die Geschichte um Johnny eingreift, macht diesen Abschnitt nicht besser. Hier wurde zu Gunsten blutrünstiger Action einige Filmmeter erzeugt, die man mit einer anderen Thematik besser ausgefüllt hätte. Ansonsten präsentiert Longo ein ziemlich glaubhaftes Ambiente des Cyberpunk und überzeugt durch coole Szenen und genretypische Bilder. Die Protagonisten, allen voran ein gut aufgelegter Keanu Reeves und eine ordentlich agierende Dina Meyer, überzeugen durchgängig, wirken genauso glaubwürdig wie das kurze Gastspiel von ICE-T, der cool und distanziert seine Rolle interpretiert. Udo Kier spielt das, was er am besten kann und Doph Lundgren spielt, wie schon erwähnt, nicht gerade am oberen Rand seines eingeschränkten Könnens. Man kann Robert Longo attestieren, dass er den prinzipiell nicht umsetzbaren Schreibstil des Cyberpunk mit einer Mischung aus Action-Kino und technischen Effekten ganz ordentlich abgedreht hat. Nicht alles wirkt so lebendig, wie in Gibsons Erzählung, aber die Bilder bieten genug Authentizität, um dieses Werk als eine der besseren Verfilmungen im Bereich Cyberpunk einzuordnen.

Jürgen Olejok / 2006

Filmdaten:

Johnny Mnemonic – Vernetzt
Regie: Robert Longo
Land: USA
Jahr: 1995
Darsteller: Keanu Reeves, Dina Meyer, Ice-T, Takeshi Kitano, Dolph Lundgren, Henry Rollins, Barbara Sukowa, Udo Kier, Tracy Tweed u. a.  

Verleih: Columbia Tristar
Laufzeit: 98 Min

Popularity: 29% [?]

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CountZero

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3 Responses to “Johnny Mnemonic / Vernetzt – Rezension zum Film”

  1. Ich weiß das man Kurzgeschichten per se nicht verfilmen kann, aber auf New Rose Hotel und Johnny hätte man imo aufgrund der Qualität der Vorlage verzichten sollen und lieber ein paar schicke Kurzfilme gemacht…

    Gut ok, bei der “Menge” an CP-Buchverfilmungen kann man vo einer besseren sprechen aber ein zweites Mal ansehen werde ich mir diesen Film sicher nicht.

  2. Bestes Zitat aus dem Film: “Ich will Zimmerservice!” (der Held abgewrackt am Ende seiner Kräfte)

  3. Ich hab mir vor ein paar Wochen erst den Film auf DvD gekauft (hatten die in der Videothek gebraucht verhöckert), echt
    ich mag den Film, das Buch Neuromancer hat eigendlich noch mehr
    Filmstoff aber naja die eigene im Kopf Film Vorstellungen beim lesen ist trozdem besser als ein Film ^^

    Ich frage mich aber immer ob TRON nicht schon voher die Sprawl-Series mit beeinflusst hatte, TRON ist von 1982 die Story dazu
    warschinlich noch älter und die Sprawl-Series ist von 1984, ich
    denke also schon das Gibson den Film TRON auch gesehen hat, TRON digitalisiert einen User und holt ihn auf das Virtuelle Spielraster … Raster = Matrix ^^

    Noch ein paar Jahre weiter und wir laden uns wie Johny Mnemonic ein paar Gigabyte in den Schädel, anstatt ein Buch zu lesen…
    ich besuche gerade die Welten von Otherland im Buch Teil 1 ^^

    cya

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