New Rose Hotel – Rezension zum Film


Globale Unternehmen kontrollieren die Welt. Die Regierungen sind nur noch die Handlanger der Multis. Es herrscht ein gnadenlosere Krieg im Verborgenen. Die Herren in grauen Anzügen kämpfen um die Macht – Schwarzhandel, Spionage und Mord sind die Mittel zum Zweck. Wer in dieser Liga mitspielt, bezahlt in aller Regel mit dem Leben.
Die Wirtschaftsgangster Fox und X sind die Schlüsselfiguren im Big Bloody Business. Aber auch sie machen Fehler und jeder Wahnsinn hat irgendwann ein Ende…

William Gibson´s Schreibstil gilt als nicht transportabel, seine hetzende Art der Storyführung nicht in Bilder umsetzbar. Obwohl mit Dialogen gut ausgestattet, leben seine Kurzgeschichten und Romane von der eigenartige Atmosphäre und den ungewöhnlichen Handlungsumgebungen. Die Verfilmung seiner Kurzgeschichte Johnny Mnemonic, von Regisseur Robert Longo in Szene gesetzt, zeigte aber, dass zumindest ein Teil dieser Atmosphäre auf Zelluloid zu bannen ist.
Als Abel Ferrara, wahrlich kein unbekannter im Film-Genre, sich ausgerechnet Gibson´s New Rose Hotel für eine filmische Umsetzung aussuchte, ahnte er wohl nicht, dass dieses Unterfangen trotz erstklassiger Schauspieler in einer cineastischen Katastrophe enden würde.

Handlung
New Rose Hotel, eine Kurzgeschichte, die ein Sequel zu seinem vier Jahre später veröffentlichten Roman Biochips (orig. Count Zero) ist, lebt von der dichten Atmosphäre und dem unvergleichlichen Schreibstil Gibson´s . Sie handelt von der missglückten Abwerbung eines Wissenschaftlers des Konzerns Maas-Biotek durch zwei Headhunter, die von einer Frau aufs Kreuz gelegt werden. Im Rückblick erzählt einer der Hauptprotagonisten, wie er sich in die Frau verliebt hat, die sie als Werkzeug für ihre Aktion auserkoren hatten. Persönliche Erinnerungsschnipsel wechseln sich mit der Beschreibung, wie die Manipulation des Wissenschaftlers ablief. Am Ende bleibt nur noch das Warten auf den unausweichlichen Tod, der jeden ereilt, der sich einen der mächtigen Wirtschaftgiganten zum Feind macht.

Kritik
Die Geschichte gilt als eine der schönsten und eindrucksvollsten des Autors, allerdings besitzt sie keineswegs das Potential, um einen abendfüllenden Film als Basis zu dienen. Diesen Fakt fand wohl auch Ferrera während der Dreharbeiten heraus und teilte den Film in zwei Teile auf. Einen Bereich, der chronologisch die Vorbereitungen und die Aktion mit bitterem Ende beinhaltet und einen 15minütigem Abschnitt, der die ganze Geschichte noch einmal in der von Gibson gewählten Form der Nachbetrachtung zeigt. So unsinnig diese Aufteilung an sich schon ist, wird sie unter Ferreras Regie zu einem Armutszeugnis des Filmschaffens. An statt sich an erfolgreichen Dick´schen Kurzgeschichten zu orientieren und die Originalstory ein wenig durch künstlerische Freiheit zu erweitern, bewegt sich Ferrara keinen Millimeter von der Geschichte weg und erleidet mangels Masse katastrophalen Schiffbruch. So etwas würde man allenfalls einem Erstsemester in der Filmhochschule verzeihen.
Neben der verheerend schlechten Regiearbeit fallen aber auch die beiden Schwergewichte der Filmakteure, Christopher Walken und Willem Dafoe aus dem Rahmen. Während Dafoe noch krampfhaft versucht, das Beste aus seiner Rolle herauszuholen, fällt Walken auf die Ebene eines Laiendarstellers zurück. Kein Minenspiel stört seine Dialogsequenzen, die für sich gesehen auch nicht über das Niveau einer Kindergeschichte herausragen. Seine Präsenz, in vielen Filmwerken zu bewundern, scheint er in der Garderobe abgegeben zu haben. Willem Defoe kann man wenigstens bescheinigen, trotz anscheinend völligem Fehlen eines Drehbuchs und damit sinnfreien Dialogen, sein eindrucksvoll zerfurchtes Gesicht kameragerecht in Szene gesetzt zu haben.
In diese schlechte schauspielerische Leistung ordnet sich die weibliche Hauptrolle, gespielt von Asia Argento, fugenlos ein. Genauso ausdruckslos wie Walken, scheint Frau Argento nicht mitbekommen zu haben, das sie in einem Film mitspielt.
Kommen wir damit abschließend zu den für das Genre Cyberpunk wichtigen Effekten, den kleinen filmischen Gadgets, die einem Werk dieser Art zu etwas besonderem machen.
Kurz gesagt, sie sind nicht vorhanden. Wenn sie auftauchen, genau zweimal in Form eines veralteten PDA´s, wirken sie so billig wie Freundschaftsringe aus dem Kaugummiautomaten. Selbst für ein B-Picture sind sie noch zu schlecht.

Fazit
Zwei Schauspieler der Extraklasse, ein bekannter Regisseur sowie eine brillante und ausbaufähige Kurzgeschichte sind kein Garant für einen gelungenen Film. Ferrara hat weder das Gefühl, noch die Fähigkeit und die schöpferischen Mittel einer Story von Gibson bildhaftes Leben einzuhauchen. Wenn ein Drehbuch vorhanden war, was der Autor dieser Zeilen stark bezweifelt, war es so rudimentär und einfallslos, dass die Umsetzung der Story von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Das würde auch die vollkommen misslungenen schauspielerischen Leistungen erklären, die knapp unter Laienniveau liegen.
Ein einziges Armutszeugnis der Unfähigkeit und minutenlange gähnende Langeweile bleibt dem Zuschauer im Gedächtnis. Ärgerlich, wenn man bedenkt, wie eindrucksvoll die Vorlage ist, die dem Film zugrunde lag.

Jürgen Olejok / 2006

Filmdaten:
New Rose Hotel
Herstellungsjahr: 1998
Regie: Abel Ferrara
Mitwirkende: Christopher Walken, Willem Dafoe, Asia Argento, Gretchen Mol u.a.
Verleih: VCL
Ton: Dolby 5.1 deutsch
Länge 89 Minuten
Spezial: Filmografie von Christopher Walken und Willem Dafoe
Erschienen als DVD mit der Nr. 55288

http://web558.webbox239.server-home.org/cpcii/wordpress/wp-content/plugins/sociofluid/images/digg_24.png http://web558.webbox239.server-home.org/cpcii/wordpress/wp-content/plugins/sociofluid/images/stumbleupon_24.png http://web558.webbox239.server-home.org/cpcii/wordpress/wp-content/plugins/sociofluid/images/delicious_24.png http://web558.webbox239.server-home.org/cpcii/wordpress/wp-content/plugins/sociofluid/images/furl_24.png http://web558.webbox239.server-home.org/cpcii/wordpress/wp-content/plugins/sociofluid/images/technorati_24.png http://web558.webbox239.server-home.org/cpcii/wordpress/wp-content/plugins/sociofluid/images/google_24.png http://web558.webbox239.server-home.org/cpcii/wordpress/wp-content/plugins/sociofluid/images/myspace_24.png http://web558.webbox239.server-home.org/cpcii/wordpress/wp-content/plugins/sociofluid/images/facebook_24.png http://web558.webbox239.server-home.org/cpcii/wordpress/wp-content/plugins/sociofluid/images/twitter_24.png

Related posts:

  1. Avalon – Rezension zum Film
  2. Strange Days – Rezension zum Film
  3. Matrix – Rezension zum Film
  4. Natural City – Rezension zum Film
  5. Final Cut – Rezension zum Film

About the Author

CountZero

One Response to “New Rose Hotel – Rezension zum Film”

Leave a Reply

You can use these XHTML tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <blockquote cite=""> <code> <em> <strong>