Natural City – Rezension zum Film

Asien gilt gemeinhin im Bereich Literatur und Film als Hochburg für das Genre Cyberpunk. Das liegt unter anderem an den zahlreichen Animes und Mangas zum Thema, die auch den deutschen Markt überschwemmen. Natural City, ein SF-Action aus Korea, ist einer der wenigen Genre-Filme, die den Sprung bis nach Europa geschafft haben. Kann die südostasiatische Produktion auch die Fans hierzulande überzeugen ?

Handlung

Im Jahre 2080 gehört der Cyborg, eine biologischer Körper mit künstlicher Intelligenz auf Silikonbasis, zum Alltag. Sie dienen dem Menschen als Soldaten, Arbeiter oder Lustobjekt, erfüllen ihre Aufgaben, um nach drei Jahren ihr Dasein zu beenden. Dafür sorgt die eingesetzte Elektronik in ihren Gehirnen. Nach ihrer Lebensspanne werden sie in Fabriken entsorgt.
Aber nicht alle Cyborgs funktionieren perfekt. Bei einigen ist die Fehlfunktion so ausgeprägt, dass sie sich gegen ihre Schöpfer wenden und sie bekämpfen.
Für diese Fälle wurde eine Spezialeinheit, die für die Eliminierung der Cyborgs zuständig ist, eingerichtet.
„R“ , ein Mitglied dieser Einheit, hat sich in den Cyborg Ria verliebt, die als Tänzerin in einer Bar arbeitet. Ihr Ablaufdatum rückt immer näher und er versucht alles, ihren „Tod“ zu verhindern. Dabei gleitet er immer tiefer in den Sumpf illegaler Aktivitäten ab, nur um zu erkennen, dass eine Rettung von Ria gleichzeitig ein junges Menschenleben fordern würde. Für seine Liebe nimmt er Opfer in Kauf…

Zur gleichen Zeit macht ein durchgedrehter Kampf-Cyborg die Stadt unsicher und anscheinend ist niemand in der Lage, ihm Einhalt zu gebieten…

Eindruck

Regisseur Min Byung-Chun recycelt ganze Passagen von Blade Runner, ergänzt sie frech mit Plagiaten aus Matrix und würzt die Mischung mit ein bisschen von allem, was der Bereich Hollywood-SF in den letzten 25 Jahren produziert hat. Selbst die Filmmusik, eine nicht gerade glückliche Symbiose aus den Soundtracks von Blade Runner und Terminator, wirkt irgendwie geklaut. Trotzdem überzeugen die ersten 20 Minuten mit Effekten und traumhaften Bildern den Zuschauer, der sich bis zu diesem Zeitpunkt in einem nicht gerade preiswert produzierten SF-Actionfilm wähnt. Der Plot an sich, die Liebe eines Mitglieds der "MP", eine Art Polizei-Sondereinheit, zu einem weiblichen Cyborg, wird harmonisch und wirkungsvoll nach den erwähnten 20 Minuten eingefügt. Ab diesem Punkt schwankt des Geschehen zwischen üblicher ostasiatischer Melodramatik und bedeutungsschwerer Tragik, wie sie Filme aus diesem Kulturkreis in Masse präsentieren. Lange und ruhige Szenen bestimmen, unterbrochen von ein wenig Nebenhandlung, den Film und man wird den Verdacht nicht los, daß der Regisseur eine bestimmte Art der Melancholie vermitteln wollte. Zumindest für den geübten westlichen Zuschauer offenbart sich der Versuch als träger und vor allem zäher Handlungsablauf, deren Inhalt und Aussage nur unzureichend vermittelt werden konnte. Am Ende lässt es Herr Byeong-Cheon noch mal richtig krachen und die Action-Elemente beherrschen das Geschehen.

Die Schauspieler, deren Namen zumindest in Europa unbekannt sind, agieren in der ganzen Bandbreite zwischen amateurhaft bis zu angestrengt engagiert und fügen sich maßvoll in das Geschehen ein. Allerdings fällt es schwer, eine Bindung zu den Protagonisten zu bekommen. Zu fremd wirken die Interpretationen der Rollen, was durchaus auch an den sparsamen und nicht gerade vor Aussagekraft überschäumenden Dialogen liegen dürfte.

Wie anfangs erwähnt sind einige Bilder und Szenen wirklich gut gelungen; hier hat sichtbar die Abteilung Post-Produktion eine respektable und ordentliche Arbeit abgeliefert. Leider gibt es auch einen fürchterlichen Bug zu beklagen, denn die beindruckende Atmosphäre und das glaubwürdig gestylte Ambiente bekommen in dem Augenblick eine fürchterliche Delle, als sich der Held inklusive Cyborg auf dem Sozius mit einem Motorrad durch das nächtliche Seoul bewegt. Sah man vorher eine fast perfekte Illusion zukünftiger Technik mit fliegenden Luft/Boden-Fahrzeugen, nimmt man plötzlich Doppeldecker-Busse und einen heutzutage üblichen Straßenverkehr wahr. Diese Szene, vollkommen missglückt und extrem störend, bringt die Handlung des Films in keiner Weise weiter und jeder Cutter dieser Welt hätte das Teil in den Müll geschnitten.

Fazit

Es ist trotz gut ausgestattetem Budget kein cineastisches Meisterwerk, das uns Herr Byung-Chun mit seinem Film Natural City präsentiert. Obwohl einige Szenen und Momente das Attribut "beindruckend" zu Recht verdienen, wirken doch viel Elemente und Effekte aufgewärmt, ohne jegliche Originalität. Auffällige Patzer wären vermeidbar gewesen und eine Straffung der Handlung hätte dem Film gut getan.

Die 114 Minuten bieten deshalb ein eingeschränktes Filmvergnügen und nur ein Fan ostasiatischer Kultur sieht vielleicht in dem Werk eine gelungene Symbiose aus tragischer Liebesgeschichte und knallharter Action. Mir blieben viele der Aussagen und Bedeutungen verschlossen und deshalb bleibt eine Empfehlung aus.

Jürgen Olejok / 2006

Filmdaten:

Natural City
Regie: Min Byung-Chun
Land: Südkorea / 2003
Länge: 114 min
Darsteller: Chan Yoon, Ji-Tae Yoo, Ryn Seo u. a.

als DVD erhältlich

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CountZero

3 Responses to “Natural City – Rezension zum Film”

  1. IMHO ist der Film auf alle Fälle sehenswert. Der Film ist Bildgewaltig, auch wenn die Stry nicht gerade die beste ist. Aber für etwas Popcorn und ne Cola und zum vertreiben von 2 Stunden ist dre Film allemal gut.

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