Matrix – Rezension zum Film

Egal, was die Brüder Andy und Larry Wachowski vorhatten, den unglaublichen Erfolg von Matrix hatten sie allenfalls erhofft, aber nie erwartet. Laut ihren eigenen Aussagen wollten sie "mal einfach die Sau rauslassen" und alles in einen Film reinpacken, von dem sie selbst begeisterte Anhänger sind. Asiatische Kampfsportarten, Action bis zum Abwinken und ein Sience-Fiction Szenario, daß seinen Comic-verwandten Charakter nicht verleugnen kann. Aber auch eine philosophische Botschaft, ein Anspruch, der dem Action-Kino meist konträhr gegenübersteht, wollten sie unterbringen. Heraus kam eine Mischung, die nicht nur visuell ungewöhnlich ist, sondern dem Kino in vielen Bereichen neue Impulse gab.

 

Die Grundidee des Plots ist eine Symbiose aus fernöstlichem Action-Kino und der Philosophie, daß nichts ist, wie es scheint. Die Aufteilung der Handlung in zwei Realitätsebenen bildet die dritte und für den späteren Verlauf der Geschichte wichtigste Komponente. Erzählt wird die Geschichte von Neo, einem durchschnittlichen Menschen, der feststellen muß, daß alles, was er Zeit seines Lebens für die reale Welt gehalten hat, nur eine virtuelle Projektion ist. Irgendetwas in seinem Inneren hatte ihn schon immer auf der Suche nach der Wahrheit begeben lassen, aber als er sie in aller Konsequenz vorgeführt bekommt, erkennt er, daß sie um vieles absurder ist, als er sich je vorstellen konnte. Vor die Wahl gestellt, entscheidet sich Neo für das reale Leben, eine Realität, die durch den Kampf des Menschen gegen die Maschinen beherrscht wird. Neo unternimmt den Schritt und steigt aus der Matrix aus, nicht ahnend, daß es nur ein Abschied auf Zeit war.
In einem U-Boot wacht er auf und muß feststellen, daß man ihm nicht die ganze Wahrheit erzählt hat. Das Leben in der Wirklichkeit kennt kaum Annehmlichkeiten und zu allem Überfluß sehen einige Menschen in ihm den Retter der übrig gebliebenen Menschheit…

Das Wechselspiel der Realitätsebenen gelingt ausgesprochen gut, sie vermischen sich nicht untereinander und sorgen für ein gutes Verständnis der Geschichte. Das dabei die Gegenwart zur virtuellen Welt wird, ist in der Aussage nicht neu und wurde in Faßbinders Verfilmung des Romans von Daniel F. Galouye, Simulachron³ , schon umgesetzt. Neu ist aber die Konsequenz des Handels in der virtuellen Realität. Die Geschehnisse innerhalb der Matrix haben durchaus Auswirkungen in der realen Welt. Der Kampf Mensch gegen Maschine, oder genauer ausgedrückt, menschliches Bewusstsein gegen KI-erzeugte Programme, wird zum Katz und Maus Spiel, die eine Zerstörung der Matrix herbeiführen soll.
Die Regisseure planten diese Interaktion der Ebenen gezielt ein, dienen sie doch als Argument für reichlich Action und Kampfszenen innerhalb der Handlung. Die ganze Genialität, die hinter dieser Idee steckt wird deutlich, wenn im virtuellen Handlungsstrang Bewegungen und Aktionen unter Mißachtung der physikalischen Gesetze von Raum und Zeit erfolgen. Hier bestimmt die Programmierung das Tempo bzw. das Bewusstsein manipuliert den Datenfluß der Matrix.
Ist der Plot an sich schon sehenswert, wird die Qualität durch die mitwirkenden Schauspieler nochmals gesteigert. Bis auf zwei, drei Ausnahmen sind alle Rollen ausgezeichnet besetzt, wobei mit Keanu Reeves ein im SF-Genre erfahrener Schauspieler alle Register seines Könnens zieht. In den weiteren Hauptrollen agieren Carrie Ann Moss und Lawrence Fishburne mehr als ordentlich, während Hugo Weaving als (Software)Agent Smith seine Rolle phänomenal und überzeugend interpretiert.
Im Bereich der Ausstattung setzen die Wachowskis nicht durchgängig auf High-Tech Style, sondern vermischen aktuelle Technik mit veralteten Gerätschaften wie Wählscheiben-Telefon oder wunderschön in Szene gesetzter Mechanik. Das wiederum erzeugt ein unwirkliches, anachronistisches Ambiente und trägt zur besonderen Atmosphäre der Handlungsumgebung bei.

Wie 1968 Kubricks Film-Epos 2001 hat auch Matrix den Bereich des Science-Fiction Film neu definiert. Spektakuläre Handlung und bildgewaltige Umsetzung der Thematik setzten Maßstäbe im Genre, sorgten aber auch für ein besseres Verständnis einer virtuellen Realität. Alles zusammen, eine intelligente und interessante Story, eine ausgezeichnete Regie und gut aufgelegte Schauspieler machen Matrix zu einem Filmerlebnis, daß einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.
Es ist Unterhaltungskino, aber von hoher Qualität. Sehenswert !

Die Frage, ob der Film dem Genre Cyberpunk zugeordnet werden kann, ist schwierig zu beantworten. Reduziert man Cyberpunk auf die Elemente der virtuellen Realität und den Bereich des Mensch/Maschinen Interface, würde es passen. Allerdings ist der Plot der Geschichte so andersartig, daß eine Einordnung in den Bereich Science-Fiction sinnvoller erscheint.

Jürgen Olejok / 2006

Filmdaten:
Matrix
Regie: Andy und Larry Waschowski
Land: USA 1999
Darsteller: Keanu Reeves, Carrie-Ann Moss, Lawrence Fishburne, Hugo Weaving, Paul Goddard, Gloria Foster, Joe Pantoliano u. a.

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