Spendenaufruf der FAU für Japan

Gerade habe ich eine Email der FAU (Freie Arbeiter Union).

Für die, die die FAU nicht kennen hier mal einen Auszug aus der Beschreibung, wie man sie auf Wikipedia findet:20100615 661337

Die FAU unterscheidet sich von anderen deutschen Gewerkschaften durch ihre basisdemokratische Struktur und sozialrevolutionäre Programmatik.

Die FAU lehnt den Parlamentarismus und die Volksvertretung ab. Laut eigenen Darstellungen sollen realpolitische Ziele nicht über den „Umweg“ über das Parlament, sondern direkt mit Hilfe von Streik, Boykott und direkter Aktion, wie bspw. Sabotage, erreicht werden. Gegenüber anderen Aktionsformen wie auch Betriebsratswahlen hat sie ein taktisches Verhältnis[3]. Aus praktischen wie ideellen Gründen werden das Prinzip der Sozialpartnerschaft und freigestellte oder bezahlte Funktionäre abgelehnt.

Mit dem Anarchosyndikalismus gehen, je nach Ortsvereinigung, auch Theorien und Praxis der Autonomen sowie der Operaismus einher. Mit ihrer Aktivität will die FAU neben einer konkreten Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen die soziale Revolution vorbereiten, mit der die klassen- und herrschaftslose Gesellschaft mittels Generalstreik erreicht werden soll.

Die FAU wird durch den Verfassungsschutz des Landes Niedersachsen als linksextremistisch eingestuft.[4] Sie wird im Bundesverfassungsschutzbericht 2009 im Abschnitt Traditionelle Anarchisten als Teil des Militanten Linksextremismus geführt.

Ich erinnere mich an eine Aktion dre FAu, als sie eine insolvente Fahrradfabrik besetzt gehalten haben, um selbst Fahrräder zu bauen und zu vertreiben, wenn ich mich recht entsinne war diese Aktion ein Erfolg. Sie sind auf alle Fälle extremer, als die DGB-Gewerkschaften, aber erinnern mich mehr an die eigentliche Ideen die hinter der Gründung der ersten Gewerkschaften standen. Das macht sie in meinen Augen sympathisch, weshalb ich gerne bereit bin die kommende Anfrage hier zu veröffentlichen:

 

Hey,

bezugnehmend auf den Beitrag von Ganta ueber die Tokyo Freeters vom 11.3.11
schicke ich dir hiermit diese Information mit der Bitte um
veroeffentlichung:
http://web558.webbox239.server-home.org/cpcii/wordpress/?p=5257

“In Japan zeichnet sich nach einem Erdbeben der Stärke neun und einem
z.T. über zehn Meter hohen Tsunami eine zusätzliche nukleare Katastrophe
ab. Die Basisgewerkschaft FAU-IAA (Freie Arbeiter- und Arbeiterinnen
Union) hat sich deshalb entschlossen mit dem „Freeters Relief Fund“
einen Hilfsfond einzurichten. Einerseits sollen damit unsere Freunde der
“Freeter Union” in Japan finanziell unterstützt werden, andererseits
wird es ggf. nötig sein anstelle von Bargeld Hilfpackete mit haltbaren
Lebensmitteln, Medikamenten usw. nach Japan zu schicken. Zu guter letzt
sollen die Mittel im Falle eines Falles auch helfen Japan ggf. zu
verlassen… Die Hilfe kommt direkt und zu 100% bei den “Freeters” an!

Freie Arbeiter- und Arbeiterinnen Union (FAU)
Postbank Hamburg
BLZ: 200 100 20
Konto: 961 522 01
Verwendungszweck: „Freeters Relief Fund“ oder “Freeters Fund”

Einen Ergänzung zum obigen Text:

Katastrophen-Hilfsfond für prekäre ArbeiterInnen in Japan

Angesichts der enormen Zerstörungen durch das Erdbeben und die Tsunamis am 11. März 2011 sowie angesichts der nach wie vor drohenden nuklearen Katastrophe durch das zerstörte Atomkraftwerk Fukushima I, hat die FAU-IAA beschlossen einen Hilfs- und Solidaritätsfond für prekäre ArbeiterInnen in Japan – den «Freeters Solidaritätsfond» ins Leben zu rufen. Als anarcho-syndikalistische Basis-Gewerkschaft gilt unsere erste Sorge den vielen prekären ArbeiterInnen (Freeters), die schon vor der Katastrophe ausgegrenzt und zu vielfach miserablen Arbeits- und Lebensbedingungen gezwungen waren. Die FAU-IAA hat kurzfrístig einen Grundstock für den Fond zur Verfügung gestellt. Sie ruft darüber hinaus zu Spenden für den Hilfs- und Solidaritätsfond auf, dessen Mittel in enger Absprache mit der «Freeter Zenpan Roso», einer Selbstorganisation prekärer ArbeiterInnen in Japan, eingesetzt werden sollen. Spenden nehmen wir über das Konto: FAU, Konto 96152201, Postbank Hamburg (BLZ 200 100 20) unter dem Stichwort «Freeters» entgegen. Jeder noch so kleine Beitrag als Ausdruck gelebter Klassen-Solidarität ist willkommen.

Wer sind die «Freeters»?

Prekäre ArbeiterInnen sind die Kehrseite der glitzernden Fassaden der japanischen Export-Wirtschaft. Es gab sie schon lange, durch die neoliberalen Reformen der 90er Jahre und durch die aktuelle Wirtschaftskrise ist ihre Zahl jedoch geradezu explodiert. Unter ihnen sind hunderttausende, die sich irgendwie von einem schlecht bezahlten Gelegenheitsjob zum nächsten durchschlagen. Viele sind jung, viele haben akademische Ausbildungen. Sie sind gesellschaftlich stigmatisiert und ausgegrenzt, häufig in Wohnbaracken am Rande der Großstädte zusammen gepfercht, viele obdachlos. Manche von ihnen nennen sich selbst «Freeter», ein Kunstwort, das aus einer Zusammenziehung von „Freelancer“ und „Arubaito“ (von deutsch: Arbeit) dem japanischen Begriff für Tagelohn oder Leiharbeit, entstanden ist. Freeter sind es auch, die in Japan rekrutiert werden, wenn es darum geht, als „Wegwerfarbeiter“ dreckige und gefährliche Arbeiten für ein Minimum an Lohn auszuführen. Auch unter den Arbeitern, die derzeit versuchen, die Katastrophe durch die zerstörten Atomreaktoren des AKW Fukushima I einzudämmen, sollen sich „Wegwerfarbeiter“ befinden. Seit einigen Jahren versuchen sich Freeter selbst gewerkschaftlich zu organisieren und gegen die Hölle aus Ausbeutung und gesellschaftlicher Ausgrenzung vorzugehen.

Warum der Hilfs- und Solidaritätsfond?

Manche mögen sich fragen, warum wir einen eigenständigen Hilfs- und Solidaritätsfond zur Unterstützung von Freetern ins Leben gerufen haben. Wir haben das getan, weil wir aus der Vergangenheit wissen, dass im Angesicht der Katastrophe eben niemals alle gleich sind. Wer Geld oder Einfluss hat, der hat eher Möglichkeiten, mit den Folgen zurecht zu kommen. Wer aber sowie schon mittellos und an den Rand der Gesellschaft gedrängt war, der hat auch im Falle einer natur- oder menschengemachten Katastrophe die deutlich schlechteren Karten. Das ist die Klaviatur von Katastrophenmanagement unter kapitalistischen Bedingungen. Wir verstehen den Fond deshalb als Akt der direkten Solidarität unter ArbeiterInnen. Wir wissen, dass es angesichts des Ausmaßes der Katastrophe und angesichts der nuklearen Bedrohung viel zu wenig ist, was wir tun können. Aber wir werden nicht vergessen, dass Freeter in verschiedenen japanischen Städten im Jahr 2010 auf die Straße gegangen sind, um die FAU Berlin in ihrem Arbeitskampf beim Kino Babylon Mitte und dem drohenden faktischen Gewerkschaftsverbot zu unterstützen.

Wozu sollen die Gelder verwendet werden?

Über die Verwendung der Solidaritätsgelder aus dem Fond entscheiden wir auf Basis unserer bestehenden Kontakte und in Absprache mit Selbstorganisationen der Freeter, wie der «Freeter Zenpan Roso». Wie das im konkreten Einzelfall aussehen wird, hängt davon ab, wie sich die Katastrophe weiterentwickelt. Möglich ist es z.B. dass ein Teil der Gelder dazu verwendet wird, angesichts der schlechter werdenden Versorgungslage Lebensmittel anzukaufen und zu verteilen. Für den Fall, dass die radioaktive Verseuchung sich noch weiter ausbreitet, werden künftig die Preise für weniger belastete Lebensmittel steigen. Auch hier könnte sehr bald Unterstützung notwendig werden. Es gibt auch Freeter, die angesichts der Katastrophe das Land verlassen oder sich in zunächst weniger betroffene Landesteile in Sicherheit bringen möchten. Auch das ist für viele von ihnen nicht zuletzt eine Frage des Geldes für Transport und eine Unterkunft. Wir haben bereits damit begonnen, japanische GenossInnen dabei zu unterstützen.

Wie kann ich mich weiter informieren?

1. Für aktuelle Informationen rund um den «Freeters Solidaritätsfond» haben wir eine Sonderseite eingerichtet. Dort werden wir in den nächsten Wochen auch über den Stand der Spenden und aktuelle Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Fond informieren.

http://www.fau.org/soli/freeters

2. Hintergrundinformationen über die Freeter und die Freeter-Gewerkschaft «Freeter Zenpan Roso» finden sich z.B. unter:

http://www.direkteaktion.org/187/freeter-zenpan-roso-prekaere-in-japan(Auf Deutsch)

http://asnewsx.blogspot.com/ (Auf Deutsch und Japanisch)

http://freeter-union.org/union/ (Auf Japanisch)


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2 Responses to “Spendenaufruf der FAU für Japan”

  1. Danke für die Links. Sehr spannend!

  2. Der Aufruf findet sich samt Ergänzungen auch in der aktuellen Gaidao, Zeitschrift der Föderation deutschsprachiger AnarchistInnen.
    http://gaidao.blogsport.de/

    Die Fahrradfabrik war in Nordhausen. Mehr dazu hier:
    http://www.strike-bike.de/Portal/

    Und ja, 100 Jahre DGB tun dem Kapital nicht weh.^^
    Eher das Gegenteil wenn mensch sich aktuelle Entwicklungen anschaut. :(

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